Jubel für Undav in der “Old German Beer Hall”Â
Auf einem Brett an der Wand, neben einer sympathisch wirkenden, allerdings bereits ausgestopften Wildsau, der Spruch: „Durst ist schlimmer als Heimweh.“ Eine Regel, die hier augenscheinlich ernst genommen wird. Wer 100 Maß getrunken hat, kriegt eine Ehrenplakette. Glückwunsch an Justin Peters, der als Erster gar die magische Marke von 5000 Litern geknackt hat. Die Kellnerin trägt ein Brezn-Tattoo über dem Dekolleté, mehr Einsatz kann niemand verlangen. Die Elfenbeinküste geht dennoch mit 1:0 in Führung. Allgemeine Verwünschungen mehrheitlich auf Englisch, dabei wurde noch vor 120 Jahren an den meisten Schulen der Stadt Deutsch gesprochen.Â
Dann Szenenapplaus, als Fox Sports einen deutschen Fan auf der Tribüne in Toronto zeigt, der sich als Rudi Völler kostümiert hat. Da trennt sich – das darf man in der Bier-Metropole Milwaukee sagen – die Spreu vom Weizen: Wer jetzt nicht wenigstens lächelt, ist entweder sehr jung oder hat vom deutschen Fußball keine Ahnung. An der Bar in älteren Nationaltrikots: zwei Schweinsteigers, zwei Kloses. Ein Undav ist auch da, originell. Ein Herr trägt einen Berliner Bären auf dem T-Shirt, auch das wird toleriert. Ebenfalls straffrei: das Sauerkraut, das hier zur Weißwurst serviert wird.Â
Ausgleich, ein ehrenamtlicher Bierhallen-Ansager brüllt: „Tor für Deutschland, mit der Nummer 26: Deniz…“ Ruhig mal raten, wer jetzt am frenetischsten „Undav“ zurückschreit. Keine Sekunde gewinnt in der Old German Beer Hall der Zweifel die Oberhand. Das wird noch was! Sogar die Einwechslung von Leon Goretzka ruft Begeisterungsstürme hervor. Logische Konsequenz: der Siegtreffer durch die Nummer 26, Deniz …, genau. Wenn es nach den Fans hier geht, darf der Bierhallen-Wirt den fünften Goldpokal schon mal bestellen. Das ist vielleicht die zentrale Erkenntnis dieses Nachmittags in Milwaukee: Von den Amerikanern, selbst den deutschesten Amerikanern, können wir Zuversicht lernen.Â

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