Die Formel 1 hat neue Regeln, neue Autos – und plötzlich wieder ein altes Duell: Lewis Hamilton (41) gegen Max Verstappen (28). Der siebenmalige Weltmeister gegen den Dominator der letzten Jahre. Und dieses Mal geht es nicht nur um Siege – sondern um die Zukunft der gesamten Formel 1.
Die neuen Regeln mit Boost-Systemen und Energie-Laden spalten die Königsklasse. Während die einen darin den nächsten Schritt in Richtung moderner Motorsport sehen, sprechen andere von einer technischen Spielerei, die mit klassischem Racing nur noch wenig zu tun habe.
Genau hier prallen zwei Welten aufeinander: Verstappen (Red Bull) und Hamilton (Ferrari) liefern sich seit Wochen einen Machtkampf um die neue Formel 1.
Hamilton ist begeistert von den Veränderungen. Er strahlte nach dem China-Rennen: „Es fühlte sich an wie beim Kartfahren – ein ständiges Hin und Her. Ich glaube, es ist das beste Racing, das ich je in der Formel 1 erlebt habe“, sagt der Brite. Nach einem enttäuschenden ersten Jahr bei Ferrari scheint er sportlich wieder im Aufwind zu sein. Nach zwei Rennen liegt er mit 33 Punkten auf dem vierten Platz der Weltmeisterschaft, nur 18 Zähler hinter Spitzenreiter George Russell (28).
Max Verstappen vergleicht die neue Formel 1 mit Mario Kart
Während Hamilton schwärmt, kocht Verstappen vor Wut: „Schrecklich. Wenn jemand das mag, dann weiß er nicht, worum es beim Rennsport geht.“ Für Verstappen hat das neue System nichts mehr mit echter Formel 1 zu tun: „Es ist wie Mario Kart. Das ist kein Racing.“ Sein Problem: Die Energie-Strategie bestimmt plötzlich die Duelle. „Du ziehst mit Boost vorbei, dann geht dir auf der nächsten Geraden die Batterie aus, und der andere zieht wieder vorbei. Für mich ist das ein Witz.“
Der viermalige Weltmeister liegt nach zwei Rennen nur auf Platz acht – mit mageren acht Punkten. Auch wenn er gewinnen würde, sagt Verstappen, würde er so denken: „Es geht nicht darum, dass ich frustriert bin. Das Racing-Produkt ist einfach schlecht.“
Dass hinter den Aussagen auch Strategie steckt, glaubt RTL-Experte Günther Steiner (60). Zu SPORT BILD sagt er: „Ich bin mir sicher, dass beide versuchen, Stimmung zu machen.“ Die Fia werde sich davon jedoch nicht unter Druck setzen lassen. „Natürlich hört man den Fahrern zu, aber am Ende entscheiden Fia und die Teams gemeinsam über das Reglement – nicht die Fahrer.“
Für Steiner ist dieses Verhalten typisch für die Formel 1. Wer aktuell erfolgreich sei, habe wenig Interesse an Veränderungen, während die Konkurrenz eher Anpassungen fordere. „Hamilton ist dieses Jahr in einer deutlich besseren Situation und hat ein konkurrenzfähiges Auto – deshalb ist er zufrieden. Wenn Verstappen wieder ganz vorn fährt, wird er die Regeln vermutlich auch anders bewerten“, sagt Steiner.
Fakt ist: Viele Teams haben kein Interesse, an den neuen Regeln etwas zu ändern. Vor allem Mercedes und Audi haben Milliarden in die neue Technik investiert. Audi ist sogar nur wegen dieser neuen Regeln überhaupt in die Formel 1 eingestiegen. Ein Zurückrudern wäre politisch heikel.
ABER: Verstappen hat sich bei der Fia in den vergangenen Jahren nicht unbedingt beliebt gemacht, eckte immer wieder an. Hamilton dagegen ist immer noch der größte Star der Formel 1. Hinzu kommt, dass Ferraris Einfluss im Fahrerlager enorm ist.
Die Fia jedenfalls zog nach dem Großen Preis von China ein insgesamt positives Fazit. Bei einem Treffen zwischen Fia und Teamchefs wurde am vergangenen Donnerstag vereinbart, lediglich die Qualifikations-Regularien anzupassen. Stattdessen soll nach dem Rennen in Japan (am Sonntag ab 7 Uhr live bei Sky und im BILD-Liveticker) ein technisches Meeting stattfinden, bei dem die ersten drei Saisonläufe detailliert analysiert werden. Erst danach will man entscheiden, ob größere Anpassungen notwendig sind.






