
AUDIO: THW Kiel unterliegt bei GWD Minden (1 Min)
Handball-Bundesliga
Stand: 03.06.2026 22:14 Uhr
Der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel hat in einer verkorksten Saison am Mittwochabend eine weitere herbe Enttäuschung einstecken müssen. Zwei Tage nach der Niederlage im DHB-Pokalfinale verloren die “Zebras” beim TSV GWD Minden mit 30:34 (17:16).
von Christian Görtzen
Die Kieler schlichen nach der Schlusssirene in die Kabine, die Mindener feierten im Tanzkreis ihren ersten Heimsieg gegen die Norddeutschen seit dem 12. Februar 2006. Durch den Erfolg hat sich der Aufsteiger am 33. Spieltag die Chance auf den Klassenerhalt erhalten. Eine Niederlage gegen das Team von THW-Trainer Filip Jicha hätte nur noch rechnerische Chancen übrig gelassen.
Für Kiel war es die neunte Niederlage in dieser Bundesligasaison. Zum Abschluss der Serie empfängt der Tabellenfünfte Kiel (42:24 Punkte) am Sonntag (15 Uhr, im NDR Livecenter) den Verfolger TBV Lemgo Lippe.
Spiel in Minden war ein Spiegelbild der Saison.”
THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi
“An den letzten Spieltagen gegen einen Abstiegskandidaten – da weiß man, was einen erwartet. Dieses emotionale Duell haben wir heute verloren. Bei uns merkt man die Unsicherheit, die wir schon über viele Wochen mitschleppen”, sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi im Interview mit dem NDR. “Es ist eine Saison mit unglaublich vielen Nackenschlägen, Spieler sind immer wieder ausgefallen, es gab immer wieder Umstellungen. Wir sind über die ganze Saison hinweg nie so richtig in einen Flow gekommen.”
Reinkind verpasst erstmals ein Pflichtspiel in dieser Saison
“Wir haben jetzt mit einem tiefen Schmerz zu kämpfen, sind völlig leer und traurig”, hatte Jicha nach der bitteren Niederlage im Pokalfinale gegen die MT Melsungen gesagt. Angesichts der enormen Enttäuschung am Sonntag und auch dessen, dass in der Tabelle keine Verbesserung mehr möglich ist, war der Auftritt in der Kampa-Halle auch ein Charaktertest. Jicha musste im 50. Pflichtspiel dieser Saison erstmals auf seinen Rückraumspieler Harald Reinkind verzichten, der Norweger fiel mit einer Oberschenkel-Verletzung aus. Erlitten hatte er diese bereits am Sonnabend im European-League-Halbfinale gegen Montpellier HB.
THW zunächst noch ohne Torhüterleistung
Schlecht war der Beginn in Minden nicht – jedoch auch nicht richtig gut. Nikola Bilyk glich nach 14 Minuten zum 10:10 aus. Kurz zuvor hatte Jicha für den Spanier Gonzalo Perez de Vargas (Paradenquote: 9 Prozent) Andreas Wolff zwischen die Pfosten beordert. Allerdings sah der deutsche Nationaltorwart beim Wurf von Morten Hempel Jensen direkt alles andere als gut aus.

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Einen ganz anderen Wolff gab es in der 21. Minute zu sehen, als er nach einem Mindener Gegenstoß den Sprungwurf von Florian Kranzmann überragend parierte.
Schlag ins Gesicht – Ankermann muss gestützt werden
Bei eigener 15:14-Führung ereignete sich dann eine ganz üble Szene. Mindens Daniel Astrup Pedersen traf Rasmus Ankermann mit der Hand so deutlich und hart im Gesicht, dass das 18 Jahre alte Kieler Top-Talent kurz darauf mit blutender Nase und blutendem Ohr benommen – und von Eric Johansson und Domagoj Duvnjak gestützt – zur Ersatzbank geführt werden musste. Die Rote Karte gab es für dieses gesundheitsgefährdene Foul zwangsläufig (27.). Zur Pause führten die Schleswig-Holsteiner mit 17:16. Ankermann soll in Kiel per MRT untersucht werden.
Kiel kassiert drei Würfe ins leere Tor
Die von Abstiegsangst geplagten Mindener übertrieben es auch zu Beginn der zweiten Hälfte mit dem körperlichen Einsatz bei ihrer Defensivarbeit. In der 35. Minute lag Duvnjak nach einem Schlag ins Gesicht auf dem Hallenboden. Dieses Mal gab es – für Malte Donker – nur eine Zeitstrafe. Kurz darauf ging bei den Kielern bei eigener 7:6-Überzahl rein gar nichts. Durch Ballverluste und Fehlwürfe fing sich der Rekordmeister drei Würfe ins leere Tor ein – plötzlich war Kiel mit 21:24 hinten (40.).
Jicha nahm eine Auszeit und tobte. Besser wurde es zunächst aber nicht. Lukas Zerbe scheiterte mit einem Siebenmeter an GWD-Torhüter Malte Semisch, der früher auch bei der TSV Hannnover-Burgdorf zwischen den Pfosten gestanden hatte. Der Rückstand wuchs auf vier Treffer (22:26) an. Zwar kam Kiel durch Veron Nacinovic noch einmal auf 29:30 (55.) heran, doch danach machten technische Fehler und Paraden von Semisch die Hoffnungen auf einen oder womöglich gar zwei Punkten zunichte. Erfolgreichster Kieler war Bence Imre mit fünf Treffern, davon einen per Siebenmeter.

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