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Spitzensport bei extremer Hitze

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Spitzensport bei extremer Hitze

AUDIO: Hitze und Spitzensport – Verträgt sich das? (1 Min)

Hitzewelle in Deutschland

Stand: 24.06.2026 14:39 Uhr

Am Wochenende könnten in Deutschland die Temperaturen auf um die 40 Grad klettern. Spitzensport-Veranstaltungen sollen trotz der Extrembedingungen stattfinden. Ist das verantwortbar?

Die Gluthitze brachte auch Eva Lys gehörig ins Schwitzen. Profitennis, ächzte die Hamburgerin Anfang der Woche bei Instagram, fühle sich unter diesen Bedingungen “nach einem fragwürdigen Lebensentwurf an”.

Wenig später verlor die 24-Jährige bei rund 32 Grad Celsius ihre Auftaktpartie beim Rasenturnier in Bad Homburg – und entging so unfreiwillig einer noch höheren körperlichen Belastung. Am Wochenende nämlich, wenn die Entscheidungen fallen, drohen Temperaturen um die 40 Grad. Gespielt werden soll trotzdem.

Auch andernorts steht der Spitzensport nicht still. Das Leichtathletik-Meeting in Ratingen soll ebenso stattfinden wie die Deutschen Meisterschaften der Radprofis in Thüringen. Und auch beim Halbmarathon in Hamburg dürften sich 24.000 gemeldeten Teilnehmer aus dem Breiten- und Spitzensport am Sonntag bei Extrembedingungen über den heißen Asphalt der Hansestadt quälen.

“Kommen klar an die Grenze”

Doch ist Leistungssport an diesem erwarteten Rekord-Wochenende überhaupt verantwortungsbewusst umsetzbar? “Jein”, sagt die Ärztin und Hitze-Expertin Andrea Nakoinz: “Für die meisten Menschen in Deutschland kommen wir da gerade ganz klar an die Grenze.”

Nakoinz ist Haupt-Autorin des im vergangenen Jahr vom Bundes-Gesundheitsministerium herausgegebenen Empfehlungspapiers “Musterhitzeschutzplan”. Sie sieht den deutschen Sport im Umgang mit Hitze “insgesamt schlecht” aufgestellt und sorgt sich nun um den Umgang mit den Bedingungen am Wochenende: “Das ist eine schwüle Hitze, die wir in diesem Ausmaß in Deutschland nicht gewohnt sind.”

Ein Läufer beim Hamburg-Marathon 2024

Am Sonntag findet der 32. Hamburger Halbmarathon statt. Für die Organisatoren sind die extremen Temperaturen zum beherrschenden Thema geworden.

Kollabierende Läuferinnen, taumelnde Tennisspieler, sogar Todesfälle: In der jüngeren Vergangenheit sind hitzebedingte Zwischenfälle bei Sport-Ereignissen immer häufiger in die Öffentlichkeit gelangt. Der Klimawandel macht Extremwetter wahrscheinlicher und erschwert so die Bedingungen für Sportler. Die Gefahr eines Hitzschlags mit ernsthaften gesundheitlichen Folgen wächst.

Nicht überall klare Vorgaben

In Bad Homburg setzt der Veranstalter auf Kühlschläuche, Eis und jede Menge Flüssigkeitszufuhr auf den Courts. Die Zuschauer werden regelmäßig daran erinnert, sich vor der Sonne zu schützen und genug zu trinken. Zudem gilt die “Heat Rule” der WTA auch beim Turnier in Hessen. Grundlage ist der sogenannte WBGT-Index, der Temperatur, Luftfeuchtigkeit und andere Faktoren berücksichtigt. Überschreitet er einen bestimmten Wert, sind zusätzlich Abkühlungspausen erlaubt. Geht er noch weiter nach oben, werden die Matches unterbrochen.

Solch klare Vorgaben gibt es aber nicht überall. Besonders kritisch sieht Nakoinz die großen Laufevents wie Marathon und Halbmarathon. “Insgesamt habe ich das Gefühl, es herrscht zu oft die Hoffnung vor, ‘es trifft uns nicht'”, so die Expertin: “Das Bewusstsein steigt, aber was fehlt, ist Verbindlichkeit.”

Forderung nach klaren Regeln

Nakoinz’ Forderung: Sportartübergreifende Regeln sowie klare Abbruchkriterien, an denen sich Veranstalter orientieren können und müssen. “Politik und Verbände müssen Entscheidungen treffen, die dann auch durchgezogen werden. Dann gäbe es Rechtssicherheit”, sagt sie. “Dann könnten sich Veranstalter auch dagegen versichern, denn das wirtschaftliche Risiko ein Event abzusagen, ist eben riesenhoch.”

Bislang werde zu viel Verantwortung auf die Athleten abgeschoben. Besonders bei Amateuren, die die körperlichen Grenzen schlechter einschätzen könnten, sei das gefährlich. “Wer zwölf Monate für einen Halbmarathon trainiert hat, der nimmt dann nicht nicht daran teil”, befürchtet Nakoinz.

Der Teilnehmende trifft am Ende die Entscheidung – wie schnell laufe ich, steige ich aus, trete ich überhaupt an? Das können wir ihm nicht abnehmen.

Hamburgs Halbmarathon-Chef Steven Richter

Hamburgs Halbmarathon-Chef Steven Richter appelliert indes gerade auch an die Eigenverantwortung der Aktiven: “Wer sich Ende Juni für einen Halbmarathon anmeldet, weiß, worauf er sich einstellen muss. Der Teilnehmende trifft am Ende die Entscheidung – wie schnell laufe ich, steige ich aus, trete ich überhaupt an? Das können wir ihm nicht abnehmen.”

Langfristig Termine in kühleren Monaten

Langfristig würden Events häufiger in kühleren Monaten stattfinden müssen, meint Nakoinz. Zudem gelte es, “klimaangepasste Sportstätten” zu bauen, sagt die Ärztin. Kurzfristig helfen vor allem leicht umsetzbare Maßnahmen. Wo es möglich ist, für Schatten sorgen, Kühlwesten beim Radsport, viele Wasserstellen beim Halbmarathon.

Hamburg fühlt sich für Sonntag gerüstet mit mehr Trinkwasserstationen, 100.000 Liter Trinkwasser, kalte Duschen und Wasserwannen, zudem wurden der Start vorverlegt und der Zielschluss um eine Stunde verlängert.

“Wenn man vorbereitet ist und die Sicherheit der Sportlerinnen und Zuschauer sicherstellen kann, dann kann man das schon machen”, bilanziert Nakoinz. Aber: “Ob das auch möglich ist, ist eine ganz andere Frage.”

Video:
Vorbereitungen für Halbmarathon: Hitzeschutz im Fokus (2 Min)

Passanten erfrischen sich auf einem Nebelfeld in Hamburg.

Heute sollen bis zu 35 Grad erreicht werden. In den nächsten Tagen wird es noch heißer. Gefahr besteht vor allem für ältere und kranke Menschen. Viele Schulen reagieren auf die Hitzewelle.